Icaridin gehört neben DEET zu den wohl bekanntesten tropentauglichen Repellents und ist in zahlreichen Mückenschutzmittel enthalten. Wie Icaridin – bekannt auch unter dem Namen Picaridin – genau wirkt und was du bei der Anwendung beachten solltest, erfährst du hier.

Was ist Icaridin und wofür wird es eingesetzt?

Icaridin gegen Mücken

Icaridin ist ein Wirkstoff gegen Mücken

Icaridin ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Piperidine. Aus diesen lässt sich auch Peperin, der Träger des scharfen Pfefferduftes, ableiten.

Icaridin stinkt abscheulich– jedenfalls für viele Insekten – denn der Geruch des Wirkstoffs ist für Mücken, Bremsen, Fliegen, Läuse, Milben, Zecken und Flöhe stark abstoßend. Daher gelten Produkte auf Basis von Icaridin auch als verlässliche Helfer im Kampf gegen die lästigen Plagegeister.

Das Gute ist, für uns Menschen: Icaridin geruchlos und eignet sich damit optimal für den Mückenschutz.

Wie wirkt Icaridin genau?

Icaridin bildet auf der Haut oder Kleidung einen dünnen Duftmantel, dieser bewirkt, dass die Insekten den Kontakt mit der Haut vermeiden. Oder anders gesagt: Für die Tierchen wirst du dadurch einfach uninteressant. Icaridin ist ein Repellent, das Insekten abschreckt, aber im Gegensatz zu Insektiziden, nicht abtötet. Du brauchst also kein schlechtes Gewissen zu haben. 😉

Der Wirkstoff Icaridin wird besonders häufig in Insekten- bzw. Mückensprays für Haut und Textilien verwendet und schützt bei richtiger Anwendung mehrere Stunden effizient. Damit kommen wir auch schon zum nächsten Punkt…

Effektiver Mückenschutz auf Icaridin-Basis

Die Liste der Mückenschutzmittel mit dem Inhaltsstoff Icaridin ist lang. Der Wirkstoff wird seltener als Lotion und häufiger in Sprays eingesetzt. Die bekannten Mückenschutzpräparate von Autan (Tropical)®, Ballistol stichfrei sowie Nobite® Haut Sensitive basieren beispielsweise auf Icaridin.

Der Autan® Insektenschutz Spray wurde von Stiftung Warentest 2018 sogar zum Testsieger der untersuchten Insektenschutzmittel gekürt. Zumindest für heimische Gefilde können wir das auch nachvollziehen, allerdings nicht für Fernreisen!

Icaridin Mückenspray

Viele Hersteller setzen auf DEEt oder Icaridin gegen Mücken

Die Icaridin-Konzentration bei den verschiedenen Mückenschutzprodukten liegt gewöhnlich zwischen 10 und 30%. Als Faustregel gilt: Je höher die Konzentration, umso länger ist die Wirkung. Wir empfehlen daher eine Mindestkonzentration von 20% Icaridin, andernfalls ist der Schutz zu gering.

Die Wirkungsdauer der verschiedenen Mittel schwankt entsprechend der Konzentration zwischen 4 und 8 Stunden. Ganz genau lässt sich dies nicht festlegen, da die Wirkungsdauer von verschiedenen weiteren Faktoren, wie z.B. Lufttemperaturen und Luftfeuchtigkeit sowie Körpergeruch und Schweiß-Intensität des Anwenders, abhängt. Auch Baden setzt logischerweise die Schutzwirkung herab.

Zudem können Sonnenschutzmittel die Wirkung von Repellents beeinträchtigen. Daher empfehlen wir den Sonnenschutz zuerst und erst ca. eine halbe Stunde später das Mückenschutzmittel aufzutragen.

Achtung: Der Schutz vor Zecken durch den Wirkstoff Icaridin hält durchschnittlich etwas geringer an, du kannst mit Plus-Minus 5 Stunden rechnen.

Vorteile, Nachteile & potenzielle Nebenwirkungen von Icaridin

Zuerst zum wichtigsten Aspekt: Nebenwirkungen von Icaridin sind eigentlich kaum bekannt. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass es keine gibt, denn bisher gibt es vergleichsweise wenige Untersuchungen und Erfahrungswerte zum Wirkstoff, der erst seit 1998 markttauglich als Repellent eingesetzt wird.

Icaridin Nebenwirkungen

Nebenwirkungen sind bei Icaridin die Seltenheit

Generell gilt Icaridin aber als sehr gut verträglich. Solange du also keine Allergie gegen den Wirkstoff hast, dürfte seine Anwendung recht unproblematisch sein. Der direkte Kontakt mit Schleimhäuten und Augen sollte dennoch vermieden werden.

Vereinzelt kann es bei der Anwendung von Produkten mit Icaridin zum Jucken, leichten Hautreizungen oder Ausschlägen kommen. In diesen Fällen liegt aber vermutlich eine Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff vor.

Nutzer berichten teilweise auch, dass die Wirkdauer der Mückenschutzmittel mit Icaridin in der Praxis niedriger war, als von den Herstellern angegeben. Dies hängt vermutlich mit den zusätzlichen Einflussfaktoren beim Gebrauch zusammen, auf die wir weiter oben bereits hingewiesen haben.

Positiv ist auf jedem Fall, dass Icaridin geruchlos und nicht fettend ist. Zudem kommt es beim Kontakt mit Kunststoff oder ähnlichen Materialien (z.B. an Sonnenbrillen, Handy, Kleidung oder Uhren), im Gegensatz zu DEET-haltigen Produkten, zu keinen Problemen.

Icaridin vs. DEET

DEET ist im Vergleich zu Icaridin etwas besser erforscht, immerhin wird DEET bereits seit Ende der 40er Jahre als Mückenschutzmittel eingesetzt.

Beide Wirkstoffe werden synthetisch hergestellt und vertreiben Insekten effizient. Dabei scheint DEET allerdings noch etwas besser und länger zu wirken sowie ein breiteres Wirkspektrum als Icaridin abzudecken.

Deet vs. Icaridin

Deet ist im Vergleich zu Icaridin wesentlich aggressiver

Der Nachteil von DEET: Die erhöhte Wirkung gegen Insekten ist auch mit einem Plus an möglichen Nebenwirkungen verbunden. Bei häufiger und intensiver Anwendung kann es zu Hautreizungen und Rötungen kommen. Auch Sensibilitätsstörungen (Kribbeln, Taubheitsgefühl), Kopfschmerzen sowie Krämpfe sind möglich, da DEET über die Haut in den Blutkreislauf gelangt und dort schädliche Nebenwirkungen auf das Nervensystem haben kann. Zudem greift DEET Kunststoffe an.

Insgesamt ist Icaridin also als etwas milder und sanfter als DEET einzustufen. Es treten weniger Nebenwirkungen auf, Hautirritationen sind in Summe seltener. Besonders für empfindliche Haut eignet sich daher Icaridin insgesamt besser.

Aufgrund der größeren Anzahl an Erfahrungswerten, die man mit DEET-haltigen Produkten hat, und der intensiveren Wirkung empfehlen dennoch viele Experten bei Reisen in Malaria-Risikogebieten nach wie vor DEET-haltige Produkte. Dennoch: Auch Icaridin ist tropentauglich und schützt bei richtiger und wiederholter Anwendung effektiv.

Anmerkung: Letzteres ist aber auch individuell von Person zu Person abhängig, welcher Wirkstoff besser hilft!

Icaridin während Schwangerschaft und Stillzeit?

Während die Anwendung von DEET für schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen wird, kann Icaridin in der Schwangerschaft und Stillzeit laut Hersteller angewendet werden.

Icaridin Schwangerschaft

Icaridin ist laut Hersteller sogar in der Schwangerschaft erlaubt

Zwar gibt es auch hier noch relativ wenige Erfahrungswerte, bisher wurden allerdings keine problematischen Nebenwirkungen beobachtet. Auch kleinere Kinder (ab ca. 1-2 Jahre) können die meisten Präparate auf Icaridin-Basis verwenden. Wie immer, ist aber auch in diesen Fällen eine Rücksprache mit dem Arzt von Vorteil.

Bei Babys sollte generell auf die Verwendung synthetischer Wirkstoffe verzichtet werden, hier empfehlen wir auf rein natürliche Wirkstoffe aus ätherischen Ölen umzusteigen.

Unser Fazit zum Wirkstoff Icaridin

Icaridin schützt verlässlich vor Mücken, Zecken und weiteren Insekten und stellt insgesamt eine gute Alternative zu DEET dar. Der Wirkstoff Icaridin ist insgesamt besser verträglich und mit weniger Nebenwirkungen verbunden.

Icaridin ist in den wirksamsten Repellents enthalten und wehrt Mücken über Stunden effektiv ab, außerdem ist der Wirkstoff geruchlos und nicht fettend. Besonders für sensible Haut, Schwangere und Kleinkinder ist Icaridin die bessere Wahl als DEET, da es schonender ist.

Achte bei der Wahl des geeigneten Mückenschutzmittels jedenfalls auf eine ausreichende Konzentration des Wirkstoffs (mind. 20% Icaridin) und die richtige Anwendung. Nur so bleibst du mit großer Wahrscheinlichkeit für die Mücken „uninteressant“.

Gepostet von Gerald